Wir haben ein ganzjährig geführtes 4-Sterne-Superior-Haus unter solider Führung durch die Inhaberfamilie bis zur letzten Zeile als Modell durchgerechnet: ein Zimmer, ein Jahr, vom Nächtigungspreis bis zum EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) inkl. Abschreibungen und Zinsen. Das Ergebnis hat uns überrascht, im positiven Sinn.
Wie kommen wir auf diese Zahlen? Ausgangspunkt sind 220 Euro Netto-Nächtigungspreis inkl. HP pro Person, zwei Personen im Zimmer und 240 Vollbelegstage im Jahr, zusammen 105.600 Euro Umsatz pro Zimmer. Davon gehen ab: alle Aufwendungen bis zum GOP und die oben genannten Kosten. Für die Abschreibung haben wir 350.000 Euro Baukosten über 30 Jahre durchschnittliche Nutzungsdauer angenommen.
Auf Betriebsebene in unserem 4*S-Beispiel bleiben 27 Prozent GOP. Wie aus der Modellrechnung hervorgeht, beträgt das EGT 6 % – die betriebliche Wertschöpfung-, für ein solide geführtes Haus ein ordentlicher Wert. Die besten Betriebe erreichen laut ÖHT-Benchmark sogar rund 9 %. Wesentlich dabei sind ein modernes Management am Puls der Zeit mit Controlling-gestützter Unternehmensführung und profundem, gastorientiertem Angebot.
Aber die 4-Sterne-Hotellerie ist sehr differenziert zu betrachten
Das obere Quartil der 4-Sterne-Kategorie zeigt mit 28 %, und jetzt sprechen wir vom GOP, sehr gute Ergebnisse. Jedoch kippt das Bild, wenn man das untere Quartil ansieht, also die schwächsten 25 % der 4*-Hotellerie. Da lag der GOP 2024 bei 15,72%. Zum Vergleich: Wenn der Median der 4* Hotellerie mit 22-23% GOP arbeitet, landet sie nach Miete, Leasing, Abschreibung und Zinsen bei etwa 2-3% EGT. Die Rechnung bei 15,7% GOP liegt dann auf der Hand…
Mag. (FH) Sonja Rauch-Beran, Expertin für Branchenkennzahlen der Österreichischen Tourismusbank (ÖHT), bestätigt:
„Das untere Quartil der 4*-Hotellerie tut sich tatsächlich am schwersten. Sogar die Drei-Stern- und Drei-Stern-Superior-Häuser haben sich wirtschaftlich inzwischen besser entwickelt.“
Bevor ein Teil der 4-Sterne-Hotellerie vergeht
Lange wurde die Drei-Stern-Hotellerie für ein Auslaufmodell gehalten und über die Jahre hat diese Kategorie durchaus Nächtigungen verloren. Aber hier geht es uns aber um die betriebswirtschaftliche Seite: Heute steht die 3*-Kategorie, bei umsichtiger Führung, gut da, mit schlanken Kostenstrukturen, vielleicht bedingt durch geringere Auflagen in den Kategorisierungs-Richtlinien, und wohl auch durch innovative Produkte.
Was brauchen jene 25%, also das untere Quartil, der 4-Stern-Hotellerie, um für Gäste attraktiv und für den Betrieb wirtschaftlich zu sein?
Wenn ein Teil einer Hotelkategorie Gefahr läuft, wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren, ist das nicht allein Aufgabe der Unternehmer. Dann sind auch Förderstellen, Tourismusverbände, Gemeinden und Standortpolitik gefordert. Sie arbeiten mit öffentlichen Mitteln und tragen damit Mitverantwortung für die touristische Infrastruktur und Wertschöpfung einer Region.
Elfriede Krempl bringt die notwendige Konsequenz auf den Punkt:
„Aus einem Schwächeln muss kein Verglühen werden. Aber Gegensteuern ist eine gemeinsame Aufgabe. Die Guten sind so gut. Jetzt muss es darum gehen, auch jene Betriebe und Hotelkategorien zu stabilisieren und weiterzuentwickeln, die für einen Standort wichtig sind, bevor sie dauerhaft den Anschluss verlieren.„
Und wo ist der Erfolg im eigenen Haus?
Genau solche Rechnungen arbeiten wir in der Hotel-Geschäftsführer-Akademie (DiA) gemeinsam mit unseren Teilnehmern durch, ungeschönt und mit echten Zahlen aus echten Häusern. Bis hinunter zum EGT, und mit der Frage, welche Schritte im eigenen Haus gesetzt werden müssen, die die Rendite erhöhen, und welche sie vermindern.