4* und 4*S-Hotellerie auf dem Prüfstand: wo ist der Erfolg zu Hause?

Wir haben ein ganzjährig geführtes 4-Sterne-Superior-Haus unter solider Führung durch die Inhaberfamilie bis zur letzten Zeile als Modell durchgerechnet: ein Zimmer, ein Jahr, vom Nächtigungspreis bis zum EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) inkl. Abschreibungen und Zinsen. Das Ergebnis hat uns überrascht, im positiven Sinn.

Kosten-Erlös-Rechnung eines 4*S-Hotels
Ganzjährig geführtes Ferienhotel · pro Zimmer und Jahr · bis zum EGT
Position € / Zimmer·Jahr % v. Umsatz
Umsatzerlöse (netto) 105.600 € 100 %
– Wareneinsatz – 15.840 € – 15 %
= Rohgewinn (Deckungsbeitrag I) 89.760 € 85 %
– Mitarbeiteraufwand (Löhne, Gehälter, Sozialabgaben) – 40.320 € – 38 %
– Übrige Betriebskosten (Energie, Instandhaltung, Werbung, Versicherung, Verwaltung) – 21.120 € – 20 %
= GOP (Brutto-Betriebsergebnis) 28.320 € 27 %
– Miete, Pacht, Leasing – 3.168 € – 3 %
– Abschreibung (AfA) – 11.667 € – 11 %
– Zinsen – 7.200 € – 7 %
= EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) 6.285 € 6 %
Annahmen: 220 € Netto-Nächtigungspreis pro Person, 2 Personen pro Zimmer, 240 Vollbelegstage (= 105.600 € Umsatz). Baukosten 350.000 € pro Zimmer ohne Grundstück, Nutzungsdauer 30 Jahre, Zinsen 7.200 € pro Zimmer und Jahr. Modellrechnung, keine testierte Kalkulation.

Wie kommen wir auf diese Zahlen? Ausgangspunkt sind 220 Euro Netto-Nächtigungspreis pro Person, zwei Personen im Zimmer und 240 Vollbelegstage im Jahr, zusammen 105.600 Euro Umsatz pro Zimmer. Davon gehen ab: alle Aufwendungen bis zum GOP und die oben genannten Kosten. Für die Abschreibung haben wir 350.000 Euro Baukosten über 30 Jahre durchschnittliche Nutzungsdauer angenommen.

Auf Betriebsebene in unserem 4*S-Beispiel bleiben 27 Prozent GOP. Wie aus der Modellrechnung hervorgeht, beträgt das EGT 6 %, für ein solide geführtes Haus ein ordentlicher Wert. Die besten Betriebe erreichen laut ÖHT-Benchmark sogar rund 9 %. Wesentlich dabei sind ein modernes Management am Puls der Zeit mit Controlling-gestützter Unternehmensführung und profundem, gastorientiertem Angebot.

Mehr als am Kapitalmarkt

Was das für die Eigentümer-/Investorenseite bedeutet, bringt Elfriede Krempl auf den Punkt:

„Ein gut geführtes Haus verzinst das eingesetzte Kapital höher, als es derzeit der Kapitalmarkt zum Beispiel bei festverzinslichen Anleihen bringen würde.“

Am Kapitalmarkt gäbe es für dasselbe Geld weniger Rendite. Dafür bleibt das Kapital am Kapitalmarkt liquide und jederzeit verfügbar. Im Hotel dagegen steckt es in Mauern. Es lässt sich nicht auf Knopfdruck wieder flüssig machen. Hinzu kommt, dass die Hotelimmobilie laufend instand gehalten werden muss und Investitionen zur Erfüllung der Gästeerwartungen in immer kürzeren Abständen notwendig werden. Die höhere Rendite ist der Lohn dafür. Und den holen sich die guten 4*S-Betriebe.

Aber die 4-Sterne-Hotellerie ist sehr differenziert zu betrachten

Das obere Quartil der 4-Sterne-Kategorie zeigt mit 28 %, und jetzt sprechen wir vom GOP, sehr gute Ergebnisse. Jedoch kippt das Bild, wenn man das untere Quartil ansieht, also die schwächsten 25 % der 4*-Hotellerie.

Mag. (FH) Sonja Rauch-Beran, Expertin für Branchenkennzahlen der Österreichischen Tourismusbank (ÖHT), bestätigt:

„Das untere Quartil der 4*-Hotellerie tut sich tatsächlich am schwersten. Sogar die Drei-Stern- und Drei-Stern-Superior-Häuser haben sich wirtschaftlich inzwischen besser entwickelt.“

Bevor ein Teil der 4-Sterne-Hotellerie vergeht

Lange wurde die Drei-Stern-Hotellerie für ein Auslaufmodell gehalten, und über die Jahre hat die Kategorie durchaus Nächtigungen verloren. Uns geht es hier aber um die betriebswirtschaftliche Seite: Heute steht sie, bei umsichtiger Führung, gut da, mit schlanken Kostenstrukturen, vielleicht bedingt durch geringere Auflagen in den Kategorisierungs-Richtlinien, und wohl auch innovativen Produkten. Was brauchen jene 25 % der 4-Stern-Hotellerie, um für Gäste attraktiv und wirtschaftlich zu sein?

Aus einem Schwächeln muss kein Verglühen werden. Wer an den zuständigen Stellen sitzt, ob Förderstellen, Tourismusverbände oder Standortpolitik, sollte jetzt hinsehen, solange sich gegensteuern lässt. Die Guten sind so gut. Die unteren dürfen den Anschluss nicht verlieren.

Und im eigenen Haus?

Genau solche Rechnungen arbeiten wir in der Hotel-Geschäftsführer-Akademie (DiA) gemeinsam mit unseren Teilnehmern durch, ungeschönt und mit echten Zahlen aus echten Häusern. Bis hinunter zum EGT, und mit der Frage, welche Schritte im eigenen Haus gesetzt werden müssen, die die Rendite erhöhen, und welche sie vermindern.